Die verborgene Tugend (La virtù nascosta)

Unbekannte Helden und Diktatur in Österreich 1938-1945

Allgemeine Informationen und Leihbedingungen

 

  • Eigentum der Ausstellung: Associazione Biblioteca Austriaca Udine – Genehmigung des DÖW (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands) Wien für die Fotoausstellung
  • Anzahl und Größe der Bilder und der Plakate: 44 Bilder in 36 Rahmen 52x42 und 10 Plakate gleicher Größe zum Kommentar – alles wie ein normales Bild aufzuhängen
  • Die Ausstellung wird in drei Holzkisten ca. 65x65x55 Gewicht ca. 25 Kg. pro Kiste transportiert
  • Verfügbarkeit der Ausstellung: bitte wenden Sie sich an: fpistolato@yahoo.it
  • Kosten: Alle für Transport, Versicherung, Werbung, Organisation entstehende Kosten übernimmt der Aussteller; Beitrag an die Associazione Biblioteca Austriaca Udine nach Absprache

 

Die Ausstellung wurde bisher in folgenden Orten gezeigt:

  • Universität Udine, Januar-Februar 2002
  • Österreichisches Kulturforum Mailand, April-Mai 2002
  • Biblioteca Isontina, Görz, Oktober-November 2002 
  • Sottoportico della Basilica Palladiana, Vicenza, Januar 2003
  • Risiera di S. Sabba, Triest, Februar-März 2003
  • Liceo Ariosto di Ferrara, April 2003
  • Municipio Fagagna (Udine) Januar-Februar 2004
  • Galleria d’Arte Moderna "Enrico De Cillia", Treppo Carnico (Udine), November 2004
  • Palazzo Frisacco Tolmezzo (Udine), April 2005
  • Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin,  März-Juni 2006
  • Archivio Centrale dello Stato, Roma, 18.1-16.2.2007

 

DIE VERBORGENE TUGEND

Unbekannte Helden und Diktatur in Österreich 1938-1945

 

Die vorliegende Ausstellung besteht aus 45 Abbildungen. Sie möchte die Erinnerung an die wenigen Österreicher wach halten, die den Mut fanden, sich den Greueltaten der Nationalsozialisten zu widersetzen und somit zu den Protagonisten des österreichischen Widerstandes wurden.

Das Kriterium „Widerstand", das hier in Betracht gezogen wird, ist das des „aktiven Widerstandes", der sich in Taten oder Erklärungen, die offensichtlich im Gegensatz zum Regime stehen, manifestiert und sich in seinen verschiedenen Formen zeigt, in „sanfteren" wie der Verweigerung von Kooperation oder Nicht-Ausführung von Aufträgen bis hin zur greif- und sichtbaren Form des bewaffneten Kampfes und der Attentate.

 

Der erste Teil der Ausstellung ist dem „Anschluss" Österreichs an Deutschland, im März 1938 gewidmet, der sich vor den Augen eines Menschenheeres, mit der Billigung des Großteils der Bevölkerung vollzogen hat.

Der zweite Teil stellt den Widerstand der Zivilbevölkerung gegen den Nationalsozialismus dar. Innerhalb dieser weitgreifenden Kategorie sind die Abbildungen in Gruppen unterteilt worden: Die Gruppe der Sozialisten und Kommunisten, die Gruppe der Widerstandsleister aus Glaubensgründen und die Gruppe der Lehrer.

Der dritte Teil soll an den Widerstand der Kärntner, die der slowenischen Volksgruppe angehören, erinnern.

Der vierte Teil ist dem Widerstand innerhalb des Heeres gewidmet, wo der Gewissenskonflikt wahrscheinlich am meisten spürbar war. Die Menschen, an die hier erinnert wird, sahen es nicht als ihre Pflicht, für ein Regime zu kämpfen, das sie als kriminell empfanden, und widersetzten sich ihm.

Der fünfte Teil betrifft das Exil, sowohl das von gewöhnlichen Personen, die sich in der Fremde der Bekämpfung des Naziregimes widmeten, als auch das der Intellektuellen, deren Werk von den Nazis als „degeneriert" und regimefeindlich angesehen wurde.

Der sechste Teil besteht lediglich aus zwei Bildern, die die wenigen in Österreich vorhandenen Zeichen für das Gedächtnis des Widerstandes darstellen.

 

Die Ausstellung, die vom Kulturverein Österreichbibliothek - Udine realisiert worden ist, konnte dank der Zusammenarbeit mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) – Wien, das die Fotos seines reichhaltigen Archivs zur Verfügung gestellt hat, zu Stande kommen. Ein besonderer Dank gilt Frau Dr. Ursula Schwarz des DÖW und Herrn Professor Karl Stuhlpfarrer der Universität Klagenfurt für ihre wissenschaftliche Beratung.

Eröffnungsrede von Prof. Karl Stuhlpfarrer am 30.1.2002 in Udine

Eröffnungsrede von Prof. Raoul Pupo am 9.2.2003 in Triest (Risiera di S. Sabba)

 

 

1. DER ANSCHLUSS

 

1938 war ein Großteil der Österreicher mit dem Ständestaat, einer autoritären Staatsform, in der die Gesellschaft nach „Ständen" gegliedert war, nicht mehr zufrieden. Viele, die wegen der Wirtschaftskrise besorgt waren, richteten ihren Blick auf Hitler-Deutschland, wo neue Arbeitsplätze und ein neuer Wohlstand geschaffen worden waren.

 

Der Anschluss von Österreich an Deutschland war Teil der Pläne von Hitler, schon seit Beginn des Regimes in Deutschland, als erster Schritt der Eroberung von Osteuropa. Zu Beginn sollte der Anschluss der Zielpunkt einer politischen Entwicklung sein, die teils von den österreichischen Nationalsozialisten – die unter dem Ständestaat illegal vorgingen, da die nationalsozialistische Partei in Österreich verboten war – teils durch das Abkommen vom Juli 1936, in dem Kanzler Schuschnigg faktisch schon wichtige Zusagen an das Deutsche Reich gemacht hatte, in Gang gebracht worden war.

Hitler wurde aber ungeduldig, und am 12. Februar 1938 beorderte er Schuschnigg nach Berchtesgaden um ihm mit einem militärischen Einbruch zu drohen und ihn somit zu überzeugen, den Anschluss zu akzeptieren. In Anbetracht einer immer entzündbareren innenpolitischen Situation, mit gewichtigen nationalsozialistischen Demonstrationen in mehreren Städten, beschloss Schuschnigg Anfang März für den 13. des selben Monats eine Volksabstimmung pro oder kontra den Anschluss durchzuführen, mit der insgeheimen Hoffnung, dass die Österreicher, was durchaus möglich war, dagegen stimmen würden.

Zu diesem Zeitpunkt befahl Hitler, der sich sicher darüber war, dass weder Frankreich, noch Großbritannien, noch Italien militärisch intervenieren würden, seinen Truppen, in Österreich einzufallen. Am 11. März abends verkündete Schuschnigg im Rundfunk seine Entscheidung „kein deutsches Blut fließen zu lassen". Am 12. März konnten die deutschen Truppen also ungestört nach Österreich kommen, sie wurden im Gegenteil von einer begeisterten Menschenmenge willkommen geheißen. Hitler persönlich traf am 13. ein und zog im Triumph durch Österreich, bis er am 15. März in Wien seine Apotheose erlebte.

Die jubelnden Österreicher hofften auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage und waren froh darüber, dass der Anschluss kein Blutvergießen erfordert hatte. In der deutschen Macht sahen sie außerdem eine Möglichkeit zur Vergeltung der Niederlage von 1918. Nicht zuletzt konnten nun die nicht wenigen österreichischen Antisemiten ihren Gefühlen freien Lauf lassen und sie in die Realität umsetzen, so wie sie es in Wirklichkeit schon anhand vieler verwerflicher Episoden getan hatten.

 

 

 

März 1938, Wien: Hitler mit dem Reichsstatthalter (Vertreter des Führers in Österreich) Seyss-Inquart

 

 

März 1938: junge Frauen feiern den "Anschluss"

 

2. DER WIDERSTAND DER ZIVILBEVÖLKERUNG

 

Im Gegensatz zu den anderen von den Nazis besetzten Ländern, in denen der Widerstand der Bevölkerung als ein patriotisches und heldenhaftes Verhalten angesehen wurde und in denen die Kollaborateure isoliert und verachtet wurden, geschah in Österreich das genaue Gegenteil. Viele Österreicher, die sich dem Regime entgegensetzten, wurden von ihren Landsleuten als Verräter betrachtet und denunziert, was ihre ohnehin schon riskante Tätigkeit noch schwieriger machte.

 

Man kann grundsätzlich zwischen zwei Gruppen von Widerstandskämpfern unterscheiden: Die Arbeiter, darunter auch die Sozialisten und vor allem die Kommunisten, und die Gruppe der Katholiken und Konservativen. Die Gründe für ihren Widerstand waren vielfältig: politische Gründe vor allem für einige, aber auch religiöse, humanistische oder patriotische Gründe für andere.

 

Die Widerstandsarbeit bestand vor allem in Propaganda, hauptsächlich in den Fabriken, aber auch andernorts, aus Geldsammelaktionen für die Verfolgten und aus Widerstandskämpfen. Es handelte sich dabei immer um heimliche Initiativen. Nur in einem Fall kam es zu einer öffentlichen Kundgebung gegen das Naziregime: am 7.Oktober 1938, als circa 10.000 Katholiken sich beim Rosenkranzfest am Stephansplatz trafen und gegen die Gewalt an der Kirche protestierten. Die Protestaktion wurde mit Schlägen, Festnahmen und Überführungen in Konzentrationslager unterdrückt.

 

Der Widerstand seitens der Zivilbevölkerung wurde weder von der katholischen noch von der protestantischen Kirche unterstützt. Beide versuchten auf eine ähnliche Art und Weise einen Modus vivendi mit dem Hitler-Regime zu finden, ohne dass dabei ihre Rechung aufgegangen wäre, denn die Vorteile waren gleich null, die Glaubwürdigkeit ihrer Institutionen litt zunehmend darunter und Trostlosigkeit und Desorientierung machten sich unter den echten Gläubigen breit.

 

Es ist schwierig, die Anzahl der Österreicher, die aktiv am Widerstand teilnahmen, zu definieren. Man schätzt, dass 100.000 Österreicher aus politischen Gründen in Gefangenschaft waren, mindestens 2700 waren zum Tode verurteilt und 32.000 in den Konzentrationslagern umgekommen. In diesen Zahlen sind aber auch Verfolgte diverser Art inbegriffen, die Juden ausgenommen.

Bezeichnender jedoch ist die Gegenüberstellung der 100.000 politischen Gefangenen und deshalb sicherlich am Widerstand Beteiligten mit den 700.000 Österreichern, die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei waren und daher ausdrücklich das Hitlerregime guthießen.

 

 

Flugblatt, das während des Krieges verteilt wurde und davor warnt, ausländische Rundfunksender zu hören, was mit Gefängnis bestraft wurde.

 

Katharina Golob, achtzehn Jahre alt, aus Villach, die sich den Partisanen anschloss und 1945 fiel.

 

DIE VERHAFTUNG VON ZWEI WIDERSTANDSKÄMPFERN

 

„Gerber" saß mir gegenüber an einem kleinen Tischchen am Fenster. Wir sprachen leise miteinander. Er versicherte mir, in drei bis vier Tagen würde er bestimmt das Land verlassen, der Grenzübergang sei nun geregelt. Er gab mir noch ein Zettelchen mit zwei verschlüsselten Adressen für "Bobby" in Zagreb, als plötzlich, wie dem Erdboden entsprungen, zwei Männer auf uns losstürzten. Ihre starren, ausdruckslosen Gesichter habe ich heute noch vor Augen, ebenso wie mir ihr aufgeregtes Schnaufen in den Ohren klingt. Ihre Erregung war begründet: Hatten sie doch mit Erwin Puschmann, den bis dahin höchsten Funktionär der KPÖ, den Kopf der ganzen Organisation der kommunistischen Widerstandsbewegung in Österreich in ihre Hände bekommen. Im Vergleich mit ihm war ich nur ein kleiner Fisch, doch war der Termin der Verhaftung so berechnet, daß ich nicht mehr aus dem Lande hinauskommen konnte. In Sekundenschnelle stürzte sich von hinten einer der Männer auf mein Gegenüber, fest umklammerte er mit beiden Armen dessen Rumpf und Arme. Puschmann wurde weiß wie die Wand. Den Zettel mit den Adressen warf ich rasch unter die Bank. Man fand ihn sofort, verlangte meine Handtasche und führte uns blitzschnell durch eine Hintertüre ab. In einem kleinen Personenauto brachten sie uns weg. Ich weiß nicht mehr, woran ich in diesem Moment dachte. Für Puschmann bedeutete die Verhaftung sicheren Tod, für mich den wahrscheinlichen.

Wir saßen wie versteinert im Wagen. Plötzlich machte ich, völlig unabsichtlich, eine kleine Bewegung mit der Hand. Der Gestapomann neben mir brüllte mich fürchterlich an. Blitzschnell und drohend im Tonfall erwiderte Erwin Puschmann: "No, no, no!" Nur drei kleine Silben! Aber in dieser Lage von einem Genossen zu meiner Verteidigung dem Feind gegenüber empört ausgerufen, das war für mich etwas Großartiges, wahrhaft Heldenhaftes, das mir lange Zeit hindurch Kraft und Mut gab. Wenn ich heute an dieses Ereignis denke, bin ich stolz für Erwin Puschmann, der mir noch in dieser Lebenslage soch kaum vorstellbare Kraft und Solidarität bewiesen hat, empfinde ich noch Stolz gegenüber allen jenen, die gegen die Nazis waren, aber nichts getan haben, Stolz gegenüber allen jenen, die am liebsten Schweigen ausbreiten wollen über die Helden, die als Einfache und Unbekannte damals unter uns lebten.

Das kleine Auto brachte uns in die Gestapozentrale am Morzinplatz. Sofort trennte man uns. Erst bei unserer Verhandlung, genau 20 Monate später, habe ich Erwin Puschmann wiedergesehen. Er war kaum wiederzuerkennen!

 

aus: Margarete Schütte-Lihotzky

Erinnerungen aus dem Widerstand. Das kämpferische

Leben einer Architektin von 1938-1945

Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien, 1994, S. 59-60

 

3. DER WIDERSTAND DER KÄRNTNER SLOWENEN

 

Die Karntner Slowenen bildeten die starkste Opposition gegen das Regime der Nazis. Der Anschluss bedeutete fur alle Slowenen das Ende der Minderheitenrechte. Jene, die auf ihre ethnische Identitat beharrten, wurden rucksichtslos unterdruckt.

 

In der ersten Phase, vor der Volksbefragung am 10. April 1938, versuchte die slowenische Opposition Karntens alles, um mit den Nazis einen akzeptablen Kompromiss zu finden: sie rieten den Angehorigen der eigenen Volksgruppe fur den Anschluss zu stimmen.

 

Mit der Zeit mussten auch die gemassigten Slowenen erkennen, dass die Nazis einzig und allein die Ausloschung der Minderheiten zum Ziel hatten. Bereits 1938/39, im ersten Jahr unter dem NS-Regime, wurde der Gebrauch der slowenischen Sprache im Unterricht verboten. Die ersten richtigen Verfolgungen trafen die Geistlichen und Intellektuellen. Aber auch die einfachen Leute und ganze Familien wurden von ihren Hofen verjagt und in den Osten verschleppt

 

Der slowenische Widerstand wurde vor allem nach der grossen Deportation von 1942 aktiv (Vertreibungsaktion), auch wenn sich bereits davor kleine Widerstandsgruppen gebildet hatten.

Die grosste Organisation war wahrscheinlich die „OF", die Befreiungsfront Sloweniens, die 1941 entstanden war. Sowohl die slowenischen als auch die Österreichischen NS-Gegner krampften im Untergrund gegen die Nazis.

 

Der slowenische Widerstand , speziell die „OF" verfolgte ein Ziel, nämlich die Gründung eines unabhängigen Staates. Dort wo es nicht möglich war, wie zum Beispiel in Osterreich nach dem 2.Weltkrieg, erreichte man immerhin den Schutz der Minderheit, der im Artikel 7 des Staatsvertrages verankert ist.

 

 

Flugblatt, das im September 1944 in Kärnten zum Aufstand aufrief. Die Fotos zeigen einige der bedeutendsten Widerständler.

 

 

Zwei amerikanische Soldaten, die mit dem Fallschirm über den Alpen abgesprungen waren, zusammen mit den Kärntner Partisanen, die sie gerettet haben.

 

 

4. DER WIDERSTAND DER MILITÄRS

 

Die Soldaten, die es als moralische Pflicht ansahen sich dem blutrunstigen NS-Regime entgegenzusetzen, konnten als Grund die „Heimholung" ihres Vaterlandes ins Reich angeben.

Der geleistete Treueid auf den Fuhrer und die Erziehung zum Gehorsam bildeten eine zusatzliche Barriere, die zu den enormen sachlichen Schwierigkeiten noch dazukam. So einigte man sich auf einen Widerstand innerhalb der militarischen Struktur, der in Sabotageakten zum Ausdruck kam.

 

Es existiert eine Verbindung zwischen den osterreichischen NS-Gegnern im Militar und ihren deutschen Kollegen, die am 20.Juli 1944 den Anschlag auf Hitler verubten.

Bindeglied war Oberoffizier Karl Szokoll, der bereits seit 1942 aktiv am Widerstand beteiligt war.

Zur gleichen Zeit, als das Attentat am 20.Juli von Berlin scheiterte, begann in Wien ein Aufstand, der von der Gestapo unterdruckt wurde. Szokoll konnte sich der Gefangennahme entziehen. Dieser setzte seine Aktivitaten fort indem er eine effiziente Gruppe aus osterreichischen Offizieren bildete, die innerhalb ihrer eigenen Einheit und in Schlusselpositionenen des deutschen Heeres operierten und ausserdem Kontakt zur Widerstandsgruppe „05" hatten.

 

Der ungunstige Fortgang des Krieges fur die Nazis ermutigte eine gewisse Anzahl von Zivilisten und Soldaten, die es bisher nicht gewagt hatten Initiative zu ergreifen, sich dem Widerstand anzuschliessen. Der bedeutenste Augenblick der Militaraktion war der Aufstand in Wien vom 6.-13. April 1945. Man wollte nicht nur den Sowjets den Einmarsch in die Stadt erleichtern, sondern auch einen eigenen Beitrag zur Befreiung des Landes erbringen. Szokoll uberlebte den Aufstand in Wien, an dem auch er teilgenommen hatte. Nach dem Krieg wurde er als Verrater und Kollaborateur isoliert.

 

 

 

Mussolini besucht Hitler nach dem Attentat vom 20. Juli 1944.

 

Hauptmann Alfred Huth war am Aufstand in Wien im April 1945 beteiligt, wurde zusammen mit seinen Mitstreitern Raschke und Biedermann (siehe Foto 30) von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und am 8. April erhängt.

 

 

Gespräch mit einem Überlebenden

 

Was hast du damals getan was du nicht hättest tun sollen?

"Nichts"

Was hast du nicht getan was du hättest tun sollen?

"Das und dieses und jenes: Einiges"

Warum hast du es nicht getan?

"Weil ich Angst hatte"

Warum hattest du Angst?

"Weil ich nicht sterben wollte"

Sind andere gestorben weil du nicht sterben wolltest?

"Ich glaube ja"

Hast du noch etwas zu sagen zu dem was du nicht getan hast?

"Ja: Dich zu fragen: Was hättest du an meiner Stelle getan?"

Das weiß ich nicht und ich kann über dich nicht richten. Nur eines weiß ich:

Morgen wird keiner von uns leben bleiben wenn wir heute wieder nichts tun

 

 

Dialogo con un sopravvissuto

 

Che cosa hai fatto allora che non avresti dovuto fare?

"Niente"

Che cosa non hai fatto, che invece avresti dovuto fare?

"Questo, quello e anche quell’altro . un po’ di cose"

Perché non le hai fatte?

"Perché avevo paura"

Perché avevi paura?

"Perché non volevo morire"

E sono per caso morti altri, per il fatto che tu non volevi morire?

"Penso di sì"

Hai ancora qualcosa da dire riguardo a quello che non hai fatto?

"Sì, vorrei chiederti: che cosa avresti fatto al mio posto?"

Non lo so e non posso giudicarti. So solo una cosa:

Domani nessuno di noi resterà in vita se oggi di nuovo non facciamo niente.

 

 

Testo di Erich Fried (1921-1988). Nato a Vienna, Fried si rifugiò durante

il nazismo in Inghilterra; suo padre fu arrestato dalla Gestapo e giustiziato.

 

 

 

 

5. DER WIDERSTAND DER EXILÖSTERREICHER

 

Emigration und Exil waren für viele – besonders Juden – die einzige Möglichkeit, der Verfolgung zu entgehen. Dieser Schritt gestaltete sich freilich äußerst schwierig und wurde mit der Zeit immer komplizierter, bis ein Erlass vom 23 Oktober 1941 den Strom der Auswanderer ganz zum Erliegen brachte. Bis zu diesem Tag hatten 130.000 Personen emigrieren können, viele davon Juden. Das Ziel waren viele verschiedene Länder, auch weit entfernte. Die meisten gingen nach Frankreich, Großbritannien und in die USA.

 

Um das harte Los der Emigranten zu erleichtern, entstanden in vielen Ländern Hilfskomitees. Dazu kamen Widerstands- und andere politische Organisationen. Eine der wichtigsten war die FAM (Free Austrian Movement in Great Britain) in London, die sich als Sammelbecken der verschiedenen Strömungen betrachtete: Kommunisten, Monarchisten, Bürgerlich-Konservative und Sozialisten. In Paris tat sich Otto von Habsburg hervor, der über beste internationale Beziehungen verfügte und eine entschlossene Anti-Anschluss-Politik betrieb.

 

Im Exil konnten die Schriftsteller ihre Tätigkeit fortsetzen, vor allem dank der verschiedenen österreichischen Organisationen, die Flugblätter verteilten und eine Kulturabteilung besaßen. Das wichtigste Presseorgan war Die österreichische Post in Paris, an der Joseph Roth, Franz Werfel und Friedrich Torberg mitwirkten. Von hohem Niveau war die Kulturabteilung der Austrian Action in London, für die Franz Werfel und Paul Wittgenstein arbeiteten. Der FAM nahe standen Elias Canetti und Oskar Kokoschka.

Die Auswanderung der Intellektuellen hatte katastrophale Auswirkungen auf das Kulturniveau Österreichs, das sich noch Jahrzehnte nach Kriegsende nicht aus dem Provinzialismus erheben konnte, in den es gesunken war. Sehr viele Exilanten nämlich – darunter herausragende Persönlichkeiten, an denen Österreich so reich gewesen war – kehrten nicht wieder in die Heimat zurück, ja, es muss gesagt werden, sie wurden von den Vertretern der Zweiten Republik nicht einmal darum gebeten.

 

Die Tätigkeit der Emigranten, insbesondere ihrer Organisationen, hatte das Verdienst, die "Österreichfrage" offenzuhalten, d. h. die Vorstellung, dass nach dem Nationalsozialismus wieder eine österreichische Nation existieren sollte. Viele entschieden sich dafür, gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen, indem sie sich in die Armee der Alliierten einreihten – eine im paradoxen Sinne patriotische Entscheidung, die viele Landsleute nicht verstanden.

 

 

Demonstration der österreichischen Widerständler in Frankreich.

 

 

 

Sigmund Freud beim Einsteigen ins Flugzeug. Der große Psychoanalytiker wurde in London, wo er dann auch 1939 starb, zum Ehrenpräsidenten des dortigen Austrian Centre ernannt, dem österreichische Emigranten angehörten.

 

 

6 - DIE ERINNERUNG AN DEN WIDERSTAND IN ÖSTERREICH

 

Der Begriff Vergangenheitsbewältigung bezieht sich auf das problematische Verhältnis zur eigenen Vergangenheit, die man gerne verdrängen würde, aber nicht verdrängen darf. Während den Deutschen von der Geschichte und von den siegreichen Alliierten gar keine andere Wahl gelassen wurde, als mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit abzurechnen, bot sich Österreich die Möglichkeit, an seine Rolle als das erste Opfer von Hitlers Eroberungspolitik anzuknüpfen. Die österreichischen Nachkriegspolitiker – viele von ihnen hatten die Nazizeit selbst im Konzentrationslager verbracht – verstanden es, diese von den Alliierten anerkannte Position zum Vorteil des Landes zu nützen, eine Politik, die schließlich zum Staatsvertrag und damit zum Ende der fremden Besatzung, bzw. zur Wiederherstellung der vollen Souveranität Österreichs führte.

Tatsächlich war Österreich als Staat Hitlers erstes Opfer gewesen, doch ebenso unbestreitbar bleibt die große Zahl derjenigen, die in diesem Land 1938 dem Diktator zugejubelt hatten, aber auch der maßgebliche österreichische Anteil an den Schergen und Bütteln der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Die Bewältigung eben dieser Vergangenheit kam in Österreich der Nachkriegszeit zu kurz, zum Teil weil eine Staatsräson im Vordergrund stand, welche zunächst auf die Bewältigung der drückendsten Nachkriegsfolgen ausgerichtet war und in weiterer Folge dem Ziel der Priorität einräumte, Österreich das Satellitenschicksal seiner östlichen Nachbarstaaten zu ersparen. Diese Politik war erfolgreich, sie wies den Weg in die Freiheit, sie begünstigte – im Grunde sicher ungewollt – aber auch einen gewissen Opportunismus und die damals durchaus vorhandenen Tendenz, die schlimme Zeit von 1938 bis 1945 möglichst zu verdrängen.

Längst bekennt sich Österreich auch offiziell zu österreichischer Mittäterschaft und Mitschuld, gerade auch am Holokaust. Die Namen Globočnik, Kaltenbrunner, Eichmann und Stangl stehen hier stellvertretend für andere.

Doch diese Schatten aus einer schrecklichen Zeit fallen nicht auf das heutige Österreich, eine demokratische Republik, deren Recht vom Volk ausgeht; ihre geistigen Väter sind vielmehr jene Menschen, welchen diese Ausstellung Ehre erweisen will. Von den zwei Fotografien, die ganz allein diese Sektion der Ausstellung bilden, stellt die eine eine der nicht zahlreichen Gedenktafeln für die Gegner des Nationalsozialismus dar, die andere ein Massengrab. Die Schlichtheit des hier Gezeigten steht in klarem Gegensatz zu bloßer Opferrethorik und einseitiger Schuldzuweisung.

Österreich mag zu jenen Ländern gehören, die nicht davon ablassen sollten, sich weiterhin mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen; diese nicht zu vergessen, aber auch nach vorne zu blicken, heißt die Zukunft gewinnen.

Es gibt eine höhere Art, die Ereignisse zu betrachten, auch wenn man sie sebst bis zur Neige durchlebt und erleidet. Die Ausstellung schließt mit einem Auszug aus dem letzten Brief von Richard Zach (Foto Nr. 16), dessen Worte und dessen Opfer ein Beispiel sind: für eine bis zur letzten Konsequenz gelebte politische und religiöse Geisteshaltung. Die Tragödie, die sich ins Sublime überhöht, wird zur Katharsis, und der Mensch findet Sinn noch in der Absurdität des Grauens.

 

 

 

Grabstein von drei 1943 hingerichteten Widerständlern.

 

Dall’ultima lettera alla famiglia di Richard Zach

 

 

Die Zeit ist da, ihr Lieben, zu schweigen. Aber wähnt nicht, daß dieses Schweigen eine Totenstille, eine eisige, würgende Ruhe ist. Nein, im Schweigen liegt ein tiefes, weises - ein wahrhaft gottliches Tönen. Lauscht ihm, entweiht es nicht durch Jammern, horcht dem Heiligen nach wie ich, während ich mich von euch wende. Öffnet die Augen weit, seht ich gehe in die Helle hinein, schaut bis euch die Augen übergehen vor Glück und ich für euch nichts mehr bin als selbst Helle, ein Schimmer, ein Funke gleich, wie jäh er verglühen musste, ein Funke doch und so ein ewiger Teil im Licht.

 

Euer, immer Euer Richard

23.1.1943

 

È arrivato il momento, miei cari, di tacere. Ma non pensate che questo silenzio sia di tomba, una quiete gelida e soffocante. No, nel silenzio vi è un suono profondo e saggio, veramente divino. Ascoltatelo, non dissacratelo con il vostro pianto. Udite il divino come lo odo io, mentre mi ritiro da voi. Aprite gli occhi completamente e osservatemi mentre entro nel chiarore, osservate finché i vostri occhi traboccheranno di gioia, e io non sarò altro che luce per voi, un bagliore, simile ad una scintilla che repentinamente doveva spegnersi, per divenire in eterno parte della Luce.

 

Il vostro, per sempre vostro Richard

23.1.1943

 

Da: H. Steiner (Hrsg.): Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation. Löcker Verlag, Wien 1995. Il passaggio qui riportato è stato tradotto da Gianluca Delle Donne.

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